Mit Zocken reich werden? „Als eSport-Profi kann man sich seinen Lebensunterhalt verdienen“


Das Phänomen eSports breitet sich aktuell rasant über den ganzen Globus hinweg aus. Das unglaubliche Wachstum der eSports-Szene macht auch vor Österreich nicht halt. Im Zuge dessen haben wir mit Manuel Haselberger, Chief Community Manager des eSport Verbands Österreich, über Bewerbe, Entwicklung und die Zukunft des Österreichischen eSports gesprochen.


Was war der Grundgedanke als der eSport Verband Österreich (ESVÖ) 2007 gegründet wurde?

Der Grundgedanke des ESVÖ war und ist es, eine erste Anlaufstelle für Interessentinnen und Interessenten zu bieten. Das sind beispielsweise Journalisten, junge Veranstalter und Organisatoren und heimische Unternehmen. Wir stehen in solchen Fällen mit unserem Know-how und Netzwerk zur Verfügung. Oberstes Ziel ist es die heimische Szene zu fördern und weiter Strukturen aufzubauen.

Was ist die International eSport Federation (IeSF) World Championship?

Der IeSF ist der internationale eSport Verband und trägt somit für die weltweite Vernetzung der nationalen eSport Verbände bei. Die IeSF World Championship ist sozusagen die Verbands-Weltmeisterschaft, wo sich zahlreiche Mitgliedsstaaten in verschiedenen Disziplinen miteinander messen. Wir sind stolz, als einer der Gründungsstaaten jährlich Vertreter unseres Landes zu den Weltmeisterschaften zu entsenden. Österreich mischt da sehr gut mit. Letztes Jahr hat unser Hearthstone Spieler „GameKing“ den ersten Platz erreicht und sich somit den Weltmeistertitel geholt.

Was kann man sich unter den von ESVÖ angebotenen „Schiedsrichter Seminaren“ vorstellen?

Ein Ziel des ESVÖ ist die Schaffung von Strukturen. Mit dem Schiedsrichter Seminar bilden wir motivierte Organisatoren zu zertifizierten eSport Schiedsrichtern aus. Somit möchten wir das Basiswissen für das Veranstalten und Leiten von eSport Turnieren vermitteln. Auch externe Veranstalter können jederzeit auf die Schiedsrichter zurückgreifen, um professionelle Rahmenbedingen für den eSport zu schaffen.

Was hat es mit der jährlichen eSport Schulmeisterschaft auf sich?

Mit der Schulmeisterschaft möchten wir in Schulen aktiv über eSport aufklären. Hierzu muss auch das Lehrpersonal eingebunden werden. Das Finale findet jedes Jahr am Schultag der Game City statt. Bei der großen Siegerehrung auf der Hauptbühne können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erste eSport-Luft schnuppern.


Die Fußballsimulation FIFA wurde in den letzten 20 Jahren über 100 Millionen Mal verkauft.

Wie sieht der ESVÖ die Entwicklung des österreichischen eSports?

Wir sehen derzeit eine sehr starke und positive Entwicklung im österreichischen eSport. Große Medienunternehmen werden auf das Thema aufmerksam und interessieren sich für eine Berichterstattung. Mit der eBundesliga werden auch österreichische Fußballvereine erstmals im eSport aktiv. In den letzten Jahren sind auch viele junge Organisationen entstanden, die den österreichischen eSport weiter vorantreiben.

Wird es Verpflichtungen, wie jene von Red Bull Salzburg mit Andres Torres in der eBundesliga in Zukunft öfters geben?

Wir hoffen hier sehr stark auf das Engagement der Bundesliga und der einzelnen Vereine. Red Bull Salzburg hat hier eine Vorreiterrolle übernommen – die anderen Fußballvereine müssen jetzt nachziehen, um für die eBundesliga fit zu sein.

Kann man sich in Österreich als eSport-Profi seinen Lebensunterhalt verdienen?

Man kann definitiv als österreichischer eSport-Profi seinen Lebensunterhalt verdienen. Allerdings ist die Profiszene gerade im eSport sehr international orientiert. Das bedeutet, dass auch heimische Profis Großteils international agieren müssen, um sich hauptberuflich in dieser Szene zu bewegen.

Wie viele eSport-Profis gibt es schätzungsweise in Österreich?

Diese Frage ist leider etwas schwierig zu beantworten. eSport ist sehr vielseitig, es gibt zahlreiche verschiedene Disziplinen, in denen eSportler aktiv sein können. Dazu kommen noch Funktionen als Coach, Streamer, Moderator, Turnierveranstalter, Journalist, usw. Auf Profi-Niveau bewegen sich zahlreiche Spielerinnen und Spieler, manche von ihnen haben auch schon den Sprung in die internationale Szene geschafft und sich dort einen Namen gemacht.

Was braucht die eSport-Szene, um kurz-, mittel- und langfristig international konkurrenzfähig zu bleiben? Ist das in einem so kleinen Land, wie Österreich überhaupt möglich?

Um international konkurrenzfähig zu bleiben und um die nationale eSport-Szene nachhaltig zu fördern, braucht es Strukturen, die sich durch das gesamte Land ziehen. Wenn man im ländlichen Raum wohnt und Fußball spielen möchte, fährt man auf den nächstgelegenen Fußballplatz und tritt idealerweise auch gleich dem ortseigenen Fußballverein bei. Im eSport gibt es das, bis auf vereinzelte Jugendzentren und Vereine in Ballungsräumen, nicht. Nachwuchsförderung muss genau hier ansetzen. Um das zu erreichen braucht es unter anderem die Bereitschaft Geld zu investieren – und zwar von Unternehmen und der lokalen Politik.

Wir bemühen uns als Verband um eine Vernetzung der derzeit vorhandenen Organisationen. Außerdem bieten wir fachliche Unterstützung bei dem Aufbau und der Gründung von eSport Vereinen.


Um international im eSport konkurrenzfähig zu bleiben, muss in Zukunft Geld investiert werden.


Zur Person Manuel Haselberger

Manuel Haselberger wurde am 28. Juni 1992 in Tulln, Niederösterreich, geboren und ist ein aktiver österreichischer eSport Organisator.

Erste Berührungspunkte mit der Szene gab es während des Studiums in Wien. Damals gründete der 25-Jährige die Organisation „Bar of Legends Vienna“ und machte sich so einen Namen als Veranstalter von großen eSport Public Viewing Events.

Seit 2014 ist Haselberger beim eSport Verband Österreich aktiv, wo er aktuell das Resort für Community-Management und External Relations leitet. Zudem ist er im Management von Österreichs größter Gaming Veranstaltung, der Game City Wien, tätig.

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