Football Leaks: Ein Antiquitäten-händler wird zum Albtraum der FuSSballbranche

Wanted John: Der Mann hinter den Football Leaks. Er hat den Fußball mit seinen Enthüllungen erschüttert und den Personen des Business den Spiegel vorgehalten. Er ist der meistgesuchte Mann der Fußballbranche. Doch wer steckt hinter dem ominösen Whistleblower namens „John“? Das Portrait eines Unbekannten.

© Spiegel


Wir schreiben den 2. November 2018. Es ist Punkt 18.00 Uhr als der SPIEGEL gemeinsam mit dem Recherchenetzwerk EIC die Neuesten Enthüllungen zu den Football Leaks veröffentlichen. Headlines wie „Super League: Der FC Bayern München prüfte den Ausstieg aus der UEFA Champions League und Bundesliga“, „Gianni Infantino entschärfte den FIFA-Ethikkodex“ und „Paris Saint Germain und Manchester City verstießen gegen das Financial Fairplay der UEFA“ machen die Runde. Bereits jetzt ist klar, die Football Leaks sind um ein spannendes und folgenschweres Kapitel reicher. Zum selben Zeitpunkt zerbrechen sich irgendwo hochrangige Fußball-Funktionäre die Köpfe, wie um alles in der Welt diese Daten an die Öffentlichkeit gelangen konnten.

Der grösste Einblick hinter die Fassade des Spitzenfussballs

Was sind die Football Leaks? Grundsätzlich muss zwischen der Gruppe „Football Leaks“, die als Aktivisten im Herbst 2015 eine Homepage gestartet haben und den Journalisten des SPIEGEL‘s, denen die Gruppe ihre Dokumente überliefert hat, unterscheiden. Rafael Buschmann ist einer der Journalisten, der darüber berichtet. Er war der erste und bislang einzige Reporter, der mit Football Leaks in Person von „John“ in Kontakt getreten ist (hier unser Football Leaks Interview lesen).

„Wir als SPIEGEL stehen seit Februar 2016 mit einer Person aus der Football-Leaks-Gruppe, die sich John nennt, im Austausch. John ist derjenige, der uns einen Datenschatz von über 70 Millionen Dokumenten (3,4 Terrabyte) überlassen hat. Seitdem ist er unsere Quelle und auf Grundlage seiner Dokumente haben wir in den vergangenen Jahren für große Enthüllungen gesorgt“, so Rafael Buschmann.

Rafael Buschmann war der erste und bislang einzige Journalist, der mit Football Leaks in Person von „John“ in Kontakt getreten ist. | © Spiegel TV

„John ist ein sehr kluger Kopf, der fünf Sprachen spricht“

John wird mittlerweile von der ganzen Fußballbranche gejagt. Deswegen ist es wenig verwunderlich, dass er alle zwei Tage aus Sicherheitsgründen seinen Aufenthaltsort ändern muss. Rafael Buschmann hat ihn bereits „fast überall auf der Welt“ besucht. Wie oft, kann er nicht genau beziffern, „aber bereits dutzende Male“, so sagt er.

Angesprochen auf das Verhältnis, welches Buschmann zu John pflegt, meint er: „Ein dienstliches Verhältnis. Wir müssen als Journalisten komplett frei sein und eine gewisse Distanz zu unseren Quellen aufrechterhalten. Ich finde den Burschen sympathisch, also man kann sich mit ihm über die unterschiedlichsten Themenfelder austauschen.“

Ob John Familie hat, weiß Buschmann nicht, lediglich, dass er mit seiner Freundin in einer Partnerschaft lebt. Bekannt ist auch, dass er Portugiese ist und als Antiquitätenhändler gutes Geld verdient. Ob dieses Gehalt ausreicht, um die andauernd anfallenden Reisekosten zu finanzieren, bleibt offen. „John ist ein sehr kluger Kopf, der fünf Sprachen spricht und beispielsweise auch Party machen kann“, so Buschmann weiter.

Als Kind hat John den Fußball lieben gelernt. Die Tatsache, dass der Sport sich immer mehr zu einem Geschäfts- und Unterhaltungsbetrieb entwickelt hat, in dem Korruption, Steuerhinterziehung sowie schmutzige Deals von Beratern, Spielern und Funktionären zur Tagesordnung zählen, beschäftigt ihm.

„Das muss alles ans Tageslicht. Die Leute, die den Fußball so lieben und ständig dafür bezahlen, haben ein Recht darauf zu verstehen, wie diese Branche wirklich funktioniert. Der Fußball ist mittlerweile völlig außer Kontrolle geraten. Die Super-League-Pläne machen doch deutlich, wer in dem Sport noch das Sagen hat: Reiche Investoren und einige wenige Topklubs tyrannisieren alle anderen“, wird Whistleblower John vom SPIEGEL zitiert.


Sportschau Dokumentation zu den Football Leaks - Von Gier, Lügen und geheimen Deals | © YouTube

John ist kein Hacker

Wie kam der Whistleblower zu diesen streng vertraulichen Daten? Ein weiteres heikles Thema, das bis heute nicht geklärt ist. Es ist das größte Geheimnis von John. Er betont immer wieder, dass er kein Hacker sei. Auch Buschmann hat auf diese Frage noch keine klare Antwort bekommen: „Er habe selbst sehr gute Quellen, die ihm diese Daten zur Verfügung stellen. Das ist seine Standardantwort und zwar egal, in welcher körperlichen Verfassung er sich befindet. Selbst wenn er stark betrunken war, bekam ich nur diese Antwort.“

John und sein Team sind „Hardcore-Fußballfans“, die für einen sauberen Sport kämpfen und versuchen, ihn wieder in die richtige Bahn zu lenken. Die Transparenz für den Fan steht dabei im Vordergrund. Das ist auch der Grund dafür, dass John und Co. vertrauliche Daten, wie Verträge über Transfers, Transferbeteiligungen und Steuervermeidungen veröffentlicht haben.

Der entscheidende Auslöser war allerdings laut Buschmann ein Vorfall in Portugals höchster Spielklasse vor drei Jahren: „Im Sommer 2015 sei für ihn das Fass übergelaufen. Sie hätten in der portugiesischen Liga an zig Punkten festgestellt, dass es zu Unregelmäßigkeiten und zu kriminellen Vorgängen bei Spielertransfers gekommen sei. Spielerberater sollen an Transfers übermäßig hoch verdient und Vereine sich Investoren komplett ausgeliefert haben.“


Fußballstars wie Cristiano Ronaldo, James Rodríguez oder Ángel Di Maria wurden aufgrund der veröffentlichten Daten von Football Leaks bereits zu hohen Geld- oder Haftstrafen verurteilt. | © AP

Sind die Daten echt?

Ein wichtiger Punkt in der Debatte ist die Echtheit beziehungsweise der Wahrheitsgehalt der Daten. Diese Aufgabe war für den SPIEGEL die größte Herausforderung. Buschmann merkt an, dass „selbst wenn man über 70 Millionen Dokumente hat, reicht ein einziges gefälschtes Dokument aus, um die Glaubwürdigkeit des Projekts zu gefährden.“

Das deutsche Nachrichtenmagazin geht immer nach dem gleichen Schema vor. Es werden zeitliche Stränge, Firmen-, Handels und Personenregister sowie die logische Abfolge von Firmengründungen genau analysiert. Am Ende dieses Ablaufs wir die Gegenseite mit den Vorwürfen konfrontiert. Das interessante dabei: Bislang wurde diese Möglichkeit aber nie ernsthaft wahrgenommen.

Auch vor Gericht wurde dem SPIEGEL noch nie vorgeworfen, dass das Magazin etwas falsch berichtet hätte, einzig, dass Persönlichkeitsrechte verletzt wurden und das öffentliche Interesse nicht hoch genug sei, um Anwaltskommunikation offen zu legen. „Das sind Sachverhalte, die am Ende die Gerichte entscheiden müssen“, ergänzt Buschmann.

John entlarvt? Steckt der 30-jährige Portugiese Rui Pinto dahinter?

Im September gab das portugiesische Nachrichtenmagazin Sábado bekannt, den möglichen Mann hinter den Football Leaks ausfindig gemacht zu haben. Es soll sich um den 30-jährigen Portugiesen Rui Pinto, beheimatet seit einigen Jahren in Budapest, handeln. Im Magazin wird Pinto als „ein Genie der Informatik und des Verbrechens“, der „enge Verbindungen zu Football Leaks hat“ beschrieben. Das Blatt legte damals keine schlagenden Beweise vor, sei sich nach intensiven Recherchen allerdings sicher genug. Nach anfänglichen Schlagzeilen ging die Nachricht allerdings rasch wieder unter und wurde nur von wenigen Medien aufgegriffen. Dem SPIEGEL sagte John, er habe keine Lust, sich zu „allem Unsinn, der in irgendwelchen Zeitungen steht, zu äußern.“

Steckt der 30-jährige Portugiese Rui Pinto hinter den Football Leaks? Das portugiesische Nachrichtenmagazin Sábado geht zumindest davon aus. | © Sábado

Wer der ominöse Whistleblower John wirklich ist, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Eines ist allerdings sicher, John wird uns mit weiteren Enthüllungen über den Fußball erneut zum Staunen bringen, ob in positiver oder negativer Hinsicht sei dahingestellt.

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