Diana Langes: Eine Frau mit vielen Facetten

Die Präsidentin der WSG Swarovski Tirol sieht ganz anders als der Prototyp eines Fußballpräsidenten aus und steht auch nicht für wirtschaftliche Abenteuer zum Zwecke der Selbstdarstellung. Diana Langes-Swarovski, Ururenkelin von Firmengründer Daniel Swarovski, Ex-Model, eifrige Unternehmerin, künftige Miterbin eines Milliardenimperiums, ist 2013 angetreten, um einen ziemlich durchschnittlichen Fußballklub aus der Provinz an die österreichische Spitze zu führen.

© Dieter Kühl

Diana Langes ist Teil einer der bedeutendsten Unternehmerdynastien Österreichs. Dass der Name Swarovski in Österreich einen hohen Stellenwert hat, liegt vor allem an der Erfolgsgeschichte des Unternehmens, das 1895 vom Glasschleifer Daniel Swarovski in Wattens gegründet wurde. Über die Jahrzehnte hat sich der Familienbetrieb zu einem Weltkonzern entwickelt. Heute werden die geschliffenen Schmucksteine nicht nur in Tirol, sondern in China, Indien und Thailand produziert und dürfen bei keinem VIP-Event fehlen. Trotz des ganzen Ruhms hat sie ihren Familienname nie als Bürde empfunden und ist auch nicht im Kerngeschäft involviert. Diana sieht sich selbst nicht als Kristallerbin, sondern als traditionsliebender Familienmensch und vor allem als Präsidentin der WSG Swarovski Tirol.


»Natürlich hatten wir als Kind alles, was man sich wünschen kann. Wir haben aber früh gelernt, das zu schätzen und uns sozial zu engagieren.«

Diana Langes, Präsidentin WSG Swarovski Tirol



Denn sich auf dem Geld auszuruhen – das war nie ihr Ding. Sie macht in New York eine Ausbildung zur Schauspielerin, arbeitet als Model. 1995 heiratet sie einen spanischen Adeligen. Das Paar bekommt zwei Kinder und zieht nach ¬Venezuela, wo sie eine Büffelfarm betreiben und Selbstversorger sind. Später zerbricht die Liebe zu ihrem spanischen Ehemann und Diana zieht es mit ihren Kindern, Maria und Joaquin, zurück zu ihren Wurzeln, zurück nach Wattens. Um ihre Kinder kümmert sie sich heute immer noch intensiv und rührend. Dies ist eine der vielen Aufgaben, die sie auf Trab halten. „Diana“ betreibt noch immer die Büffelfarm in Venezuela, besitzt einen gigantischen Wald in Schottland, ist Parfüm-Kreateurin, Pappbecher-Produzentin, Verwalterin von mehreren Immobilien und agiert darüber hinaus als Familien-Rätin bei den Swarovskis und sorgt dafür, dass alle gut miteinander auskommen, was bei 210 Anverwandten nicht immer so leicht erscheint.


»Jeder echte Fußballfan lebt für seinen Verein« | © Reinhard Rovara

Liebe zum Fussball von klein auf


Die Liebe zum runden Leder wird Diana fast in die Wiege gelegt und seit sie denken kann, interessiert sie sich für Fußball. Vater Gernot Langes, der größte Mäzen, den diese Sportart in Tirol je gesehen hat, nimmt seine Tochter mit, wenn es Ende der 80er-Jahre im alten Tivolistadion gegen den Rest von Österreich geht. FC Swarovski Tirol heißt der Klub und der deutsche Nationalspieler Hansi Müller ist der Star der Mannschaft und Trainer-Legende Ernst Happel trainiert das Star- Ensemble. Die kleine Diana ist im kleinen Holzhäuschen, das als VIP-Klub dient, Stammgast. Hansi Müller holt sie regelmäßig von der Schule ab und bei Happel sitzt sie auf dem Schoß.


Im Jahr 2013 fragt ausgerechnet der Tiroler Konkurrent Wacker Innsbruck bei dem Ex-Model an, ob sie für den Klub arbeiten möchte. Ihr Vater meint, dass dies nicht infrage kommt und schlägt ihr vor, dass sie Präsidentin von Wattens werden soll. „Einige dachten, das sei ein PR-Gag. Immerhin war ich die erste Frau an der Spitze eines österreichischen Vereines, dazu mit blonden Haaren und recht groß“, ist sie sich der Lacher auf den Fußballplätzen sehr wohl bewusst. Wattens spielt damals in der Regionalliga West. Vor 150 Zuschauern. Kein Glamour. Kein Rampenlicht.


»Mein Vater erinnerte mich an die soziale Verantwortung, die wir als Unternehmerfamilie haben und stets hatten.«

Diana Langes, Präsidentin WSG Swarovski Tirol



Doch nun galt es, auch in Wattens endlich professionelle Strukturen zu schaffen. „Am Anfang habe ich mich um alles selbst gekümmert, buchstäblich um jeden einzelnen Grashalm am Platz.“ Trotzdem war ihr Plan von Beginn an klar: Mit der WSG, die Abkürzung steht für Werkssportgemeinschaft, die Nummer eins in Tirol zu werden. Vor Wacker Innsbruck, dem zehnfachen österreichischen Fußball- Meister, dem großen Traditionsverein. Das war vor sechs Jahren. Inzwischen lacht niemand mehr auf den Tiroler Fußballplätzen über die große Blonde. Mit ihrem Kampfgeist, der ihr vom Vater mitgegeben wird, schafft sie es den Fußballverein erstmals nach 48 Jahren wieder in die Bundesliga zu führen und mit ihren „Kristall-Buam“ den Traditionsklub zu überholen.


Auf ihrer eigenen Homepage heißt es unter dem Punkt „Die Fußballpräsidentin“: „Sie trat in große Fußstapfen, stellte sich dieser Verantwortung und verlieh dieser Position ein vollkommen neues Gesicht. Medial stets präsent, mit unübersehbarer Freude am Fußballsport und mit frischen Ideen ist es ihr nicht nur gelungen, mit der WSG in eine neue Liga aufzusteigen, sondern dem Verein eine neue Leitfigur zu geben.“ Vorerst aber ist die WSG vor allem der Klub ihrer Präsidentin und fast kein Bericht über den Aufsteiger kommt ohne ein großformatiges Foto der schillernden Swarovski-Erbin aus. Ebenso sind es die feinen Details, an denen man erkennen kann, dass bei der WSG Swarovski Tirol eine Frau das Sagen hat. Auf den Trikots des Bundesligisten funkeln Glitzersteine aus dem Hause Swarovski, in der Geschäftsstelle und dem Vereinsbüro wird sehr viel Wert auf Style und Ästhetik gelegt.


»Die Außendarstellung ist für uns extrem wichtig.«

Diana Langes, Präsidentin WSG Swarovski Tirol


»Es ist egal, ob du ein Mann oder eine Frau bist« | © angelolair

Heimatverbunden, leidenschaftlich und emotional


Wäre da nicht der Doppelname „Langes-Swarovski“, niemand würde sie für eine Angehörige der fünften Generation einer der bedeutendsten Unternehmerdynastien Österreichs halten. Sie selbst jedoch sieht sich weder als Kristallerbin, noch als Society- Dame, sondern als traditionsliebender Familienmensch, leidenschaftlicher Sportfan und vor allem als Tirolerin mit Leib und Seele. Das wichtigste, was ihr die Familie Swarovski, allen voran ihr Vater Gernot, mitgegeben hat, sind unternehmerischer Weitblick, Kampfgeist, Familiensinn und eine starke Beziehung zur Heimat. Die Bedeutung von regionaler Identität spiegelt sich nicht zuletzt in der jüngsten Namensänderung von WSG Wattens auf WSG Swarovski Tirol. Sie will nun den Verein „zum Klub für alle Tirolerinnen und Tiroler“ machen.


Diana ist eine leidenschaftliche und emotionale Präsidentin. „An Spieltagen bin ich nicht ansprechbar und sehr nervös. Ich bin halt noch immer ein Fan.“ Vor jedem Spiel zündet sie Kerzen an und betet, dass sich keiner verletzt und dass ihr Verein hoffentlich gewinnt. Selbst aus der Situation, dass der WSG in ihrer ersten Bundesliga-Saison ausgerechnet ins Innsbrucker Tivoli Stadion übersiedeln muss, weil das nicht für die Bundesliga taugliche Gernot- Langes-Stadion vor umfassenden Sanierungsarbeiten steht, kann Diana etwas Positives gewinnen: „Schmerzvoll ist das nicht – es ist eine Herausforderung, der wir uns mit viel Vorfreude stellen.“

Ein Erfolgsrezept ihres Vereins ist der Punkt Kontinuität und in diesem will sie sich jedenfalls auch in Zukunft treu bleiben.


»Personell halte ich an den Menschen fest, die mein vollstes Vertrauen und meine Dankbarkeit über das Erreichte genießen.«

Diana Langes, Präsidentin WSG Swarovski Tirol



Wobei es der harmoniebedürftigen Präsidentin schon wehtut, wenn man sich nach einer Saison doch von dem einen oder anderen Spieler trennen muss. Einen Trainer musste die Präsidentin, die sich ins Sportliche nicht einmischt („Wir haben eine sportliche Leitung, die dafür zuständig ist. Aber klar gehen all unsere Spieler-Einkäufe bei mir über den Tisch.“), noch nie entlassen. Der Trainer der WSG, Thomas Silberberger, und Sportdirektor Stefan Köck sind bereits seit Sommer 2013 beziehungsweise 2014 an Bord. Eine Entwicklung, die für Silberberger „eine große Stärke und ein Stück weit eine Philosophie der Familie und der Firma Swarovski“ sind. „Wie die Präsidentin gekommen ist, habe ich gesagt, die WSG ist ein schlafender Riese, ähnlich wie der in den Kristallwelten. Jetzt ist jemand da, der diesen Riesen erwecken will. Und das ist die Chefin. Sie hat uns ganz klare Ziele gegeben: in fünf Jahren Nummer eins in Tirol, Aufstieg in die Bundesliga. Wir haben es in viereinhalb Jahren geschafft. Das macht mich am meisten stolz“, sagt Silberberger.


Ein weiteres Erfolgsrezept von ihr ist ihre Zugänglichkeit. Das ¬sagen die Leute, die mit ihr zusammenarbeiten. Egal, ob für Spieler oder Medienschaffende, sie ist für alle „die Diana“. Nach besonderen Siegen trinkt sie mit ihren „Jungs“ in der Kabine auch einmal ein Bier und ist nicht die millionenschwere Kristall-Erbin. „Geld macht vieles einfacher im Leben, aber es macht definitiv nicht glücklicher.“ Auch als Präsidentin will sie deshalb nicht mit Geld um sich werfen. In der täglichen Arbeit befolgt sie vor allem einen Rat ihres Vaters Gernot: „Er sagt mir immer, ich solle mir nicht reinreden lassen. Und ich solle auf mein Herz hören.“ Da sie ein Herz-Mensch sei, fällt ihr das nicht schwer. Obwohl sie ihren Klub wie eine Familie führt, ist sie sich stets bewusst, dass es ein Business ist und sie professionelle Entscheidungen fällen muss und wenn es sein müsste, auch einen Trainer entlassen.


Diana Langes wurde mit dem #VICTOR2019 als Sport Managerin des Jahres ausgezeichnet. | © angelolair

Anderen Frauen Mut machen


Obwohl Diana morgens mit der WSG aufsteht und sich abends mit dem Gedanken an die WSG ins Bett legt, arbeitet sie ehrenamtlich. „Ich stecke all mein Herzblut und alles, was ich bin, in diesen Verein, und das merken Spieler und Fans gleichermaßen. Doch entlohnen muss man mich dafür nicht.“ Dass die Tirolerin eine Frau ist, war vor allem zu Beginn ein großes Thema. Immer wieder wurde sie von Männern getestet, ob sie die Abseitsregel auch wirklich ¬erklären kann. Darüber aufgeregt hat sie sich nie, da sie ja schnell beweist, dass sie es kann und dass sie mit ihrer Art Erfolg hat. Dieser Erfolg imponiert auch dem Sportvorstand der Wiener Austria, Peter Stöger, und so spricht der Ex-Köln- und Dortmund- Trainer in höchsten Tönen von der blonden Präsidentin:


»Wie sie sich reinkniet, wie sie das in Wattens durchgezogen hat und wie sie sich in der Männer-Domäne Fußball durchsetzt, das ringt mir höchsten Respekt ab.«

Peter Stöger, Sportvorstand FK Austria Wien



Die 48-jährige Unternehmerin ist neben Hartberg-Präsidentin Brigitte Annerl die zweite Präsidentin in der Bundesliga, im Vordergrund solle das nicht stehen. „Es ist im Sport vollkommen unerheblich, welchem Geschlecht man angehört, woher man kommt, welche Hautfarbe man hat oder welche Sprache man spricht. Im Sport geht es um Leistung, Kompetenz und Freude an der Sache“, sagt sie. Es komme eben nicht auf das Frausein an, auch wenn Frauen, laut „Diana“ ein paar ganz besondere Eigenschaften mitbringen, wie etwa Sensibilität und Einfühlungsvermögen. Diese Eigenschaften haben Frauen den Männern voraus und daher reagieren Frauen vielleicht in manchen Details feinfühliger als Männer.


»Wichtig ist die Leidenschaft für das Spiel, das Herzblut« | © angelolair

Ihr Präsidentenamt sieht Diana auch als eine gesellschaftliche Vorbildwirkung: „Wenn sich eine Frau in diesen Bereichen behauptet, dann ist das ein tolles Signal, das anderen Mut macht.“ Diese Wirkung hat auch die österreichische Bundesliga erkannt und so ist sie seit März 2018 die zuständige Botschafterin, vor allem für die Damen, des Fußballverbands, und seit Juli 2018 gehört sie zum Aufsichtsrat der Bundesliga.


Wenn man ihre Auftritte in der Öffentlichkeit verfolgt, gewinnt man manchmal den Eindruck, dass sie mit ihrer Weiblichkeit gerne auch mal spielt. So posiert sie auch einmal im luftigen weißen Kleid im Zentrum des offiziellen Mannschaftsfotos ihres Vereins und präsentiert sich als Society- Lady auf diversen Veranstaltungen. Designer-Highheels, sündig teure Handtaschen und kristallbestickte Rückennummern auf den Trikots da, hemdsärmelige Kumpelhaftigkeit beim gemeinsamen Bier mit Mannschaft und Trainer dort - diese Swarovski hat den Spagat zwischen finanzieller Elite und gesellschaftlicher Breite geschafft.



Privat und exklusiv: Diana Langes im ausführlichen Portrait. Alles zur Sport Managerin des Jahres 2019 bekommst du in unserer Winterausgabe des Sport Business Magazins. Erhältlich im gut sortierten Presseeinzelhandel in Österreich, im ABO sowie online auf Kiosk.at und Readly.com.





  • White Facebook Icon
  • White Instagram Icon
  • White Twitter Icon
  • White LinkedIn Icon
  • xing_white

© 2020 by Sport Business Magazin | 537354