Geisterspiele: Nicht systemrelevant aber wichtig genug?

Fußball ist mehr als ein Spiel. Wer im glamourösen Geschäft mit dem Ball sein Geld verdient, hat dieses ungeschriebene Gesetz verinnerlicht. Aber leistet der Fußball wirklich einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft? Der Re-Start der Deutschen Bundesliga begeistert trotz toller Quoten längst nicht alle Fans. Er ist nach wie vor umstritten. Die Gründe dafür sind vielseitig. Dennoch ist er für die Vereine unumgänglich. Unser Redakteur Dominique Taboga hat die Vor- und Nachteile von einem Re-Start mit Geisterspielen gegenübergestellt.

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PRO: Das spricht für Geisterspiele


Wertung Liga

Es ist im Sinne aller Vereine, dass alle Entscheidungen, wie Meister, Auf- und Absteiger oder Europacupstartplätze, auf dem Fußballplatz entschieden werden sollen und nicht auf dem grünen Tisch.


Wirtschaftliche Lage

In den Top-Ligen beinhalten die Budgets der Vereine oftmals den großen Faktor TV-Gelder. Diese sind ein wichtiges Argument für die Liga-Fortsetzung. Die Deutsche Fußball Liga hat vorgerechnet, dass bei einem Abbruch rund 750 Millionen Euro fehlen würden.


Arbeitsplätze

In den letzten Wochen wurde dem Fußball eine Sonderrolle attestiert. Aber Fußballprofi ist ein Beruf wie jeder andere und die Spieler wollen ihrem Beruf nachgehen, wie es in anderen Wirtschaftsunternehmen der Fall ist. „Da sind wir in der gleichen Situation wie die Gastronomen oder Hoteliers. Es geht auch um zukünftige Karrieren“, erklärte Austria-Wien-Vorstand Markus Kraetschmer. In Österreich sind die Profis weit davon entfernt, während der aktiven Karriere ausgesorgt zu haben. Vor allem in kleinen Klubs unterscheidet sich der Verdienst kaum von jenem eines „normalen“ 40-Stunden-Jobs.


Ebenso die sämtlichen Mitarbeiter in den Vereinen und Verbänden. In Österreich gibt es 22.000 Arbeitsplätze, die von der Fußball-Bundesliga abhängig sind. Wenngleich das für viele ob fehlender Gastronomie oder ausbleibenden Ticketverkaufs auch bei Geisterspielen nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist.



Vorbildwirkung

Gelingt es dem Fußball, mit gutem Beispiel und funktionierendem Konzept voranzugehen, kann das für viele andere Mannschaftssportarten eine wichtiges Signal sein. Diese Wirkung ist extrem wichtig für den Amateur-, Breiten- und Nachwuchssport. Ohne den Sport könnten Kinder und Jugendliche den Bezug zum Sport verlieren.


Konzept

Gelingt es, ein schlüssiges Konzept auf die Beine zu stellen, so wie es in Deutschland der Fall zu sein scheint, spricht nichts gegen einen Re-Start in den verschiedensten Ligen. Die Ansteckungsgefahr während der Spiele sei nach Ergebnissen verschiedener Studien minimal und „wenn wir alle drei Tage testen, viel mehr Risikominimierung geht nicht“, sagt Österreichs Ligachef Christian Ebenbauer.


Sportmediziner warnen: »Ein Sportler sollte sich schon Gedanken darüber machen, dass eine Infektion das Karriereende sein kann« | © pixabay


CONTRA: Das spricht gegen Geisterspiele


Gesundheit

Die Gesundheit muss immer im Vordergrund stehen. Sollten die Infektionszahlen nach einem Re-Start wieder ansteigen, muss das Konzept als gescheitert angesehen werden. Ein Restrisiko bleibt auf jeden Fall bestehen.


Folgeschäden

Gleiches gilt für infizierte Spieler, was mögliche Folgeschäden betrifft. Sportmediziner warnen: „Ein Sportler sollte sich schon Gedanken darüber machen, dass eine Infektion das Karriereende sein kann.“ Die veränderte Atmung bei hoher Belastung erhöht das Risiko.


Kein Umdenken

Großteile der Fangemeinde fordern ein Umdenken der Verbände und der Vereine. Diese Hoffnungen werden aber zerschlagen, da viele Ligen die Saison mit aller Macht zu beenden. Als Hauptargument sehen Kritiker die finanziellen Interessen.


Viele Anhänger befürchten eine weitere Kommerzialisierung und Entfremdung des Fußballs durch das Ausbleiben von Stimmung und Zuschauern in den Stadien. | © pixabay

Verletzungsrisiko

Der enge Spielkalender für die restlichen Spiele betätigt wieder einmal, dass der Spieler wieder einmal eine untergeordnete Rolle einnimmt. In Deutschland kehren die Mannschaften nach einer oder zwei Wochen im Mannschaftstraining in den Spielbetrieb zurück. Die vielen Spiele erhöhen das Verletzungsrisiko für die Spieler enorm.


Wirtschaftliche Lage

Viele kleinere Klubs behaupten, dass Geisterspiele existenzbedrohend seien. Die TV-Gelder stellen nur einen geringen Anteil vom Budget. Die Vereine sind auf Einnahmen von Heimspielen aus Gastro, Ticketing und Sponsoring angewiesen. Hinzu kommt das Ende der Kurzarbeit und das Ende der Hilfe von der Regierung.


Fans

Viele Anhänger befürchten eine weitere Kommerzialisierung und Entfremdung des Fußballs durch das Ausbleiben von Stimmung und Zuschauern in den Stadien. Eine Rückkehr zur Normalität sehe anders aus.


Geisterspiele: Eine Rückkehr zur Normalität sehe anders aus. | © pixabay

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Von Dominique Taboga

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