Sportsponsoring: Nur sieben Prozent fließen in den Frauensport

Weltweit geben Unternehmen rund 30,9 Milliarden Dollar für Sportsponsoring aus, überwiegend an Ligen und Teams aus dem Männersport, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Daten-Dienstleister Statista. Nur sieben Prozent der Gelder gehen in den Frauensport. Im Hinblick auf die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein niederschmetterndes Ergebnis. Auch zwischen den Sportarten gibt es ein massives Ungleichgewicht. Wir zeigen, wie die diversen Sportarten, Ligen und Einzelsportler abschneiden. Ein Bericht aus der Winterausgabe 04-2019.

© Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool

In diese Sportarten fließt das Geld


Das größte Volumen an Unternehmenssponsoring konzentriert sich auf Nordamerika und Europa, die 65 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen. In den afrikanischen Markt investieren Sponsoren gerade einmal ein Prozent der globalen Spendings. Der größte Anteil entfällt mit 19,31 Milliarden US-Dollar auf Ligen und Teams.


Der Fußball überstrahlt mit Einnahmen in Höhe von 12,84 Milliarden Dollar alle anderen Sportarten bei Weitem. Die weltweite Beliebtheit macht den Fußball zum attraktivsten Sport für Unternehmen, um Sponsoringbudgets zu investieren. Mit Respektabstand folgt der Rennsport mit 2,5 Milliarden sowie Basketball mit 2,48 Milliarden. Der Skisport beispielsweise befindet sich nicht einmal im Ranking, so verhältnismäßig gering sind die Sponsoringgelder.


Unter den Ligen ist die englische Premier League vor der NFL und NBA die stärkste, was die Sponsoringeinnahmen angeht. Die Deutsche Bundesliga belegt immerhin den vierten Rang im Ranking.




86 Millionen Dollar: Federer weit vor CR7 und Messi


Bei den höchsten Sponsoringeinnahmen von Einzel-Athleten belegt Tennisspieler Roger Federer mit 86 Millionen US-Dollar klar den ersten Rang. Auf der Website des Schweizers werden über ein Dutzend Sponsoren aufgeführt, darunter globale Top-Marken wie Mercedes-Benz, Moët & Chandon und Rolex. Alleine von Ausrüster Uniqlo soll Federer für zehn Jahre 250 Millionen Euro bekommen. Gemäß dem Wirtschaftsmagazin Forbes ist der Schweizer geschätzte 570 Millionen Euro schwer und gehört damit zu den bestbezahlten Sportlern der Welt.


Sponsoringkönig: Roger Federer nimmt jährlich 86 Millionen Dollar durch Sponsoren ein. | © Markus Gilliar/Daimler AG

Platz zwei belegt Golf-Legende Tiger Woods. Er bringt es auf insgesamt 54 Millionen Dollar Sponsoring- Einnahmen. Die Top drei rundet Basketballspieler LeBron James mit 53 Millionen Dollar ab.


Erst an vierter Stelle folgt mit Cristiano Ronaldo der erste Fußballspieler im Ranking. 44 Millionen Dollar soll CR7 laut Statista jährlich durch Sponsoring verdienen. Lionel Messi ist laut Forbes mit 127 Millionen US-Dollar (Gehalt, Preisgelder und Sponsoring) der bestbezahlte Athlet der Welt. Im Sponsoring- Ranking findet sich der Argentinier mit 35 Millionen Dollar erst auf Rang sieben wieder. Neymar verpasst mit 30 Millionen knapp die Top zehn.


Auf dem 15. Platz steht mit 25 Millionen Dollar Sponsoring-Einnahmen die einzige Frau: Serena Williams. Wie unterrepräsentiert Frauen in ihren jeweiligen Sportarten sind, machen auch die weiteren Ergebnisse deutlich.


Die einzige Frau im Ranking: Serena Williams mit 25 Millionen Dollar Sponsoring-Einnahmen. | © Instagram.com/serenawilliams

Nur sieben Prozent des weltweiten Sportsponsorings fließen in den Frauensport


Der Frauensport erhält mit sieben Prozent den geringsten Anteil an Sponsoringeinnahmen im Vergleich zum Männersport. Nationale und internationale Wettbewerbe werden von Männern dominiert, was ihre Teams attraktiver und vorteilhafter für Sponsoren macht.


Eines ist klar, der Frauensport lebt und stirbt von der medialen Aufmerksamkeit. Dieser befindet sich nach Meinung der Forscher deshalb in einem „Teufelskreis“. Da das mediale Interesse am Männersport um ein Vielfaches größer ist, ist entsprechend mehr Geld im Umlauf. Es handelt sich schlichtweg um wirtschaftlich andere Dimensionen. Während bei den Herren Millionen durch Fernsehgelder, Sponsoring-Verträge, Werbung, Merchandising und Ticketverkäufe lukriert werden, steht der Frauensport noch am Anfang seiner Entwicklung. Doch ohne Aufmerksamkeit werden auch die Sponsoren kaum willens sein, mehr Geld in Frauenfußball und Co. zu stecken.


Wie ungleich die Kräfte verteilt sind, wird durch die Debatte um gleiche Bezahlung für Männer und Frauen im Sport deutlich. So sorgten die Spielerinnen der US-Frauenfußball- Nationalelf Anfang des Jahres 2019 für Aufsehen. Sie reichten eine Klage wegen jahrelanger Diskriminierung gegen den US-amerikanischen Fußballverband ein, da sie trotz vier WM-Titel und vier Siege bei den Olympischen Spielen weniger verdienten als ihre männlichen Genossen. Ein Titel bei den Frauen entspricht circa dem Verdienst eines einzigen Spiels bei den Männern.


Jahrelange Diskriminierung: Die US-Frauenfußball-Nationalelf klagte ihren Verband. | © Instagram.com/mrapinoe

eSports vor Radsport, Segeln und Boxen


Für den Report hat Statista Daten über die aktuellen Einnahmen aus dem Sponsoring im Sport gesammelt und untersucht. Quellen sind Jahresberichte von Ligen, Teams, Organisationen, Presseberichte über Sponsoringverträge, Studien und Analysen von Unternehmensberatungen und Wirtschaftsverbänden. Untersucht wurden über 90 Ligen und ihre jeweiligen Teams, über 70 Verbände sowie die 160 bestbezahlten Sportler. Der Bericht fokussiert sich ausschließlich auf die direkte finanzielle Unterstützung und das Sponsoring von Einnahmen. Ausgeschlossen wurden die Aktivierung von Sponsoring, Unternehmensdienstleistungen, materielle Unterstützung, Show Wrestling, pensionierte Athleten und Trainer aller Sportarten.


Auch eSports wurde für die Untersuchung nicht berücksichtigt. Dabei sollen die reinen Sponsoring-Erlöse in diesem Jahr bereits fast eine halbe Milliarde Dollar betragen. Damit würde eSports in der Statista-Auswertung bereits vor Sportarten wie Radsport, Segeln und Boxen liegen.


Eine halbe Milliarde Dollar Sponsoring-Erlöse im eSports – und damit vor Sportarten wie Radsport, Segeln und Boxen. | © A1 eSports

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Das Imperium von Dietrich Mateschitz: Wie sich Red Bull über 30 Jahre mit aggressiver (Sport-)Kommunikation zur Weltmarke und zum Milliardenunternehmen entwickelt hat und viele weitere spannende Themen!

Von Alexander Friedl

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